Rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind heute in der Immanuel Diakonie Group an rund 50 Standorten tätig. Der Weg der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Berlin-Schönberg und der heutigen Immanuel Diakonie Group sind eng miteinander verbunden. Geschichte ist selten wertneutral und sie hat, wenn man sie betrachtet, immer etwas mit der Beziehung zur Gegenwart zu tun.
Udo Schmidt und Elimar Brandt – das Leitungsteam der Immanuel Diakone Group - blickten während des Diakonie-Gottesdienstes am 13. Januar 2008 gemeinsam auf die Anfangszeit der institutionellen Diakonie der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Berlin-Schönberg zurück.
Udo Schmidt: Elimar Brandt, Du bist seit 1958 Jahren ganz eng mit dem, was heute Immanuel Diakonie Group heißt, persönlich verbunden. Mit deiner Familie bist Du im Februar 1958 nach Berlin gekommen. Dein Vater war Pastor dieser Gemeinde, Direktor des Hospital Feierabendheims und des Immanuel-Krankenhauses. Aus diesen beiden Urzellen der institutionalisierten diakonischen Arbeit der Gemeinde hat sich die heutige Immanuel Diakonie Group entwickelt. Später wurdest Du selbst zuerst Seelsorger in den beiden Einrichtungen, 1975 dann Gemeindepastor und ab 1980 auch Direktor beider Betriebe. Du hast dich immer intensiv mit der 60jährigen Geschichte der institutionellen Diakonie der Gemeinde beschäftigt. Du hast einen großen Teil der Geschichte als ein wichtiger Zeitzeuge miterlebt. Erst durch deinen Vater und als Gemeindemitglied, und dann als Teil deiner Arbeit. Deshalb möchten wir dir zum 60. Geburtstag der Immanuel Diakonie Group einfach mal ein paar Fragen zu stellen.
US: Am Anfang ein mutiger Mann – wer war Pastor Walter Hoffmann?
Elimar Brandt: Heute würde man Pastor Walter Hoffmann wohl als Urtypen eines Pastors, Managers und Visionärs in einer Person bezeichnen. Er blickte immer offen über den Tellerrand hinaus und konnte Menschen gerade in der kriegsverwirrten Zeit in der Gemeinde sammeln und mit ihnen neue Perspektiven entwickeln. Er war von 1931 bis 1957 genau der richtige Mann in der Gemeinde. So konnten die Grundlagen für die heutige Immanuel Diakonie Group geschaffen werden. 1947 begann alles mit dem Hospital Feierabendheim auf dem Gemeindegelände – institutionalisiert eben vor 60 Jahren.
US: Wie war die Situation in der Gemeinde nach dem Krieg?
EB: Schlimm, viele Menschen waren einsam, Angehörige gestorben oder in Gefangenschaft, Häuser und Heimat vielerorts zerstört. Es war eine Zeit einer generellen Suche nach neuen Perspektiven. Auch die Gemeinde brauchte Räume für ihre Arbeit. Im Jahr 1947 musste dringend erstmal die Bausubstanz in der Hauptstr. 125 gerettet werden, und dies dann in Verbindung mit der Entwicklung des Hospitals Feierabendheim.
US: Schmuck war nach dem Krieg doch wenig wert – wie konnte damit gebaut werden?
EB: Gemeindemitglieder haben für das Hospital Feierabendheim Schmuck gespendet. Die Geschichte wurde mit den Jahren sicher ausgeschmückt – im wahrsten Sinne des Wortes. Aber Fakt ist, es waren persönlich große Gaben, es war Ausdruck von Engagement, Mut sowie Vertrauen. Die unmittelbare Nachkriegswirtschaft funktionierte dann so, dass Pastor Walter Hoffmann mit einem Teil des Schmucks ins Märkische Land fuhr und diesen gegen ein halbes Rind tauschte, welches wiederum für die Verpflegung der Bauarbeiter in Berlin gebraucht wurde.
US: Die Familie Siemens spendete ihren Sommersitz – wie kam es dazu?
EB: Charlotte von Siemens hatte von den Aktivitäten der Schöneberger Gemeinde erfahren. Sie wollten ihr Anwesen verkaufen, um sich „wegzumachen“. Dies hieß damals „in den Westen gehen“. Keiner wusste, wie es mit Berlin weitergehen würde. Pastor Walter Hoffmann war deshalb zu einer Besichtigung des Anwesens von Charlotte von Siemens eingeladen worden. Beim Abschied sagte er „Wir haben nicht das Geld, um das Anwesen für die Errichtung eines Jugendkrankenhauses zu kaufen, aber geschenkt nehmen wir es und schaffen es.“ Eine Woche später unterzeichnete er die Verträge in Düsseldorf – ohne Gemeindebeschluss!
In der Anfangszeit wurde die diakonische Arbeit der Gemeinde am Wannsee von anderen Trägern nicht ernst genommen. Doch das außergewöhnliche Projekt, gelähmte Kinder und Jugendliche mit einer besonderen Fürsorge und Physiotherapie soweit zu befähigen und zu begleiten, dass sie Berufe erlernten, war zu der damaligen Zeit besonders. So besonders, dass der damalige Bundespräsident Theodor Heuss das Krankenhaus besuchte. Ich glaube, dieses Signal hat der diakonischen Arbeit der Gemeinde bei der weiteren Entwicklung sehr geholfen.
Das Grundstück am Wannsee macht uns nicht reich, aber mutig. Uns ist ein Pfund anvertraut worden, und das haben wir in die Entwicklung der Immanuel Diakonie Group eingebracht.
US: Gesellschaft, Gemeinde und die diakonische Arbeit haben sich in den vergangenen 60 Jahren immer wieder erheblich verändert. Was macht die Geschichte für die heutige Zeit aktuell?
EB: Nun, wir sollten das Feuer und nicht die Asche weitertragen und dabei mutig sowie engagiert sein. Und wir müssen uns natürlich den aktuellen Fragen stellen:
- Die soziale Frage wird neu gestellt – wo stehen wir?
- Was wird in unserem Staat und Gesundheitssystem noch finanziert?
- Ist Geld alles?
- Wie kommen wir zu angemessenen Finanzierungsmodellen für die Krankenhäuser, die Pflege, für die Beratung usw., und dies bei ausreichenden Löhnen?
All diese Fragen sind für mich immer verbunden mit der Liebe Gottes zu den Menschen. Die Gemeinde hier in Schöneberg und die diakonische Arbeit der Immanuel Diakonie Group sind für mich nicht getrennt. Sie unterstützen sich gegenseitig. Es ist dabei auch wichtig, von der Trägergemeinde Rückhalt zu bekommen. Dazu gehören auch Gebete und Unterstützung für die Mitarbeiter wie auch die Menschen, die der Hilfe in unseren diakonischen Einrichtungen bedürfen. Dies ist unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Religion.
Verband Evangelischer Krankenhäuser und stationärer Pflegeeinrichtungen in Berlin-Brandenburg Paulsenstr. 55/56 12163 Berlin Tel.: 030/82097-302
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