Verband Evangelischer Krankenhäuser und
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 100 Jahre Allgemeinkrankenhaus Königin Elisabeth Herzberge

Vor 100 Jahren, am 25. November 1910, fand in der Karlshorster Chaussee (heute Treskowallee) in Oberschöneweide die offizielle Einweihung und Umbenennung in »Königin Elisabeth Hospital« statt. Durch die Erweiterung mit einer Inneren und einer Chirurgischen Abteilung für Erwachsene war dadurch aus dem ehemaligen Kinderhospital ein Allgemeinkrankenhaus geworden.

Am Anfang der Geschichte des Evangelischen Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge stand die Sorge um die Jüngsten in der Gesellschaft: Am 14. April 1843 wurde unter dem Patronat von Königin Elisabeth von Preußen in der Wilhelmstraße 133 (Berlin-Mitte) eine »Kleinkinder-Krankenanstalt« zur Heilung von Kindern aus ärmsten Verhältnissen gegründet. 1844 zog die Einrichtung in ein größeres Haus und erhielt den Namen »Elisabeth-Kinder-Hospital«. Aber im explosionsartig wachsenden Berlin reichten die Plätze nicht aus. 1887 hatte sich die Diakonissenschaft des Evangelischen Krankenhauses gegründet, eine Gemeinschaft von Frauen, die ihr Leben aus christlichem Auftrag in den Dienst für die Schwachen und Kranken stellten. Im selben Jahr zogen Kinderhospital und Diakonissenmutterhaus in ein größeres Gebäude in der Hasenheide. Doch auch hier wurde es bald zu eng.

Neubau in Oberschöneweide
So nahm man das Angebot der östlichen Berliner Vorortgemeinden Oberschöneweide, Friedrichsfelde und Friedrichshagen an, die gemeinsam ein Krankenhaus errichten wollten und sowohl ein Grundstück als auch eine hohe Geldsumme zur Beteiligung an den Baukosten mbereitgestellt hatten. Am 6. November 1908 wurde die Grundsteinlegung des neuen Hauses in Anwesenheit von Kaiserin Auguste Viktoria begangen, das in zwei Jahren Bauzeit fertig gestellt wurde. Am 10. Oktober 1910 konnte der erste Patient eingewiesen werden. Die offizielle Einweihung des Krankenhauses in der Karlshorster Chaussee (heute Treskowallee) in Oberschöneweide und Umbenennung in »Königin Elisabeth Hospital« fand am 25. November 1910 statt. Durch die Erweiterung mit einer Inneren und einer Chirurgischen Abteilung für Erwachsene war aus dem Kinderhospital ein Allgemeinkrankenhaus geworden, das über 130 Betten (80 Erwachsene, 30 Kinder, 20 Isolierbetten) verfügte.
Im Jahr 1913 waren die Abteilung für Infektionskranke durch eine Scharlachepidemie und die mchirurgische Abteilung für Frauen häufig stark überfüllt. Daraufhin wurde beschlossen, die weniger beanspruchte Kinderabteilung zu verkleinern. Mit Beginn des 1. Weltkrieges im Jahr 1914 mussten sämtliche Ärzte des Hauses zur medizinischen Versorgung der Kriegsverletzten an die Front. Auch viele Diakonissen wurden Feld geschickt. Parallel zum Zivilkrankenhaus mit 100 Betten wurde ein mReserve-Lazarett mit 150 Betten eingerichtet.
In der Nachkriegs- und Inflationszeit hatte das Haus mit starken Einschränkungen zu kämpfen. Erst 1924 ging es wieder aufwärts: einige Bereiche konnten baulich verbessert werden und neue
Medizintechnik konnte angeschafft werden.

Kriegsjahre und Umzug nach Herzberge
Nach der Machtergreifung der Nazionalsozialisten 1933 musste infolge der Rassengesetzgebung der Chefarzt der Inneren Abteilung Dr. med. Walter Wolff das Haus im Februar 1936 wegen »nichtarischer Abstammung« verlassen. Prof. Dr. Richard Dobbertin, der damalige Chefarzt der Chirurgie, trat daraufhin im gleichen Jahr zurück und ging in den Ruhestand. Nach dem Krieg, im September 1945, wurde Dr. Wolff wieder eingesetzt. 1945 besetzt die Sowjetarmee das KEH in Oberschöneweide. Es wurde beschlagnahmte und vorübergehend in eine Schule in Friedrichshagen ausgelagert. 1946 erfolgte die Einweisung durch die sowjetische Militärverwaltung auf das Gelände des »Städtischen Krankenhauses Herzberge« (Häuser 1, 3 und 5). Das KEH musste nach Berlin-Lichtenberg umziehen. Hier befand sich die
1887 geplante und 1893 eröffnete psychiatrische Anstalt, die während der faschistischen Diktatur in ein Lazarett und Allgemeinkrankenhaus umgewandelt worden war, da Menschen mit Behinderung für die Nationalsozialisten als „unwertes Leben“ galten. Erst in den 1950er Jahren wurde die psychiatrische Arbeit wieder in vollem Umfang aufgenommen. Nach dem Umzug befanden sich die Chirurgische Abteilung des KEH in Haus 1 und die Innere Abteilung in Haus 3 mit jeweils 130 Betten.

DDR-Zeit und deutsche „Wende“
Die Jahre während des Bestehens der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) waren nicht immer leicht. Bereits das Vorhandensein kirchlicher Einrichtungen wurde durch die SEDAdministration mit Misstrauen begleitet. So war die Anbindung an das Diakonische Werk und die Evangelische Landeskirche zugleich ein Schutz vor staatlichen Übergriffen. Durch Weisung des Magistrats von Berlin erfolgte ab dem 27. April 1971 die Umbenennung der Chirurgie, die bis dahin überwiegend durch ihr gynäkologisches Profil geprägt war, in »Chirurgische Abteilung« und es durften keine gynäkologischen Eingriffe mehr durchgeführt werden.
Trotz mancher Einschränkungen – insbesondere nach dem Bau der Berliner Mauer – konnte das Krankenhaus die Entwicklungen in der Medizin aufnehmen und durch finanzielle Unterstützung der Kirchen aus dem Westteil Deutschlands auch umsetzen. Dadurch erwarb es sich in Ostberlin und darüber hinaus einen sehr guten Ruf. Moderne chirurgische Verfahren hielten Einzug; in der Inneren Medizin war man bestrebt, auch psychische Komponenten der Erkrankungen mit einzubeziehen. Nachdem das Haus 1980 in »Evangelisches Diakoniewerk Königin Elisabeth« (EDKE) umbenannt worden war, konnte 1986 mit den Rekonstruktionsarbeiten an den Häusern 1, 3 und 5 sowie dem Neubau von OP-Sälen und Notaufnahme begonnen werden. 1990/91 zog zunächst die Chirurgische Abteilung in Haus 5 und in das neu errichtete Haus 105. Die Innere Medizin bezog die Häuser 1 und 103.
Als 1989 die Mauer fiel und die deutsche Wiedervereinigung neue gesellschaftliche wie gesetzliche Rahmenbedingungen brachte, blieb das auch für beide auf dem Gelände bestehenden Krankenhäuser nicht ohne Konsequenzen.

Zusammenschluss und Neustrukturierung
Am 1. Januar 1992 wurde durch Zusammenführung des Evangelischen Diakoniewerks Königin Elisabeth mit dem Fachkrankenhaus für Neurologie und Psychiatrie Berlin-Lichtenberg (Herzberge) das Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) gegründet. Neun Jahre später, am 1. Januar 2001, wurde der Krankenhausbetrieb in eine gemeinnützige GmbH mit neuer Gesellschafterstruktur überführt. Seitdem heißt das KEH: Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH und gehört zum Verbund der v. Bodelschwingschen Stiftungen Bethel mit Sitz in Bielefeld. Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel sind eine gemeinnützige kirchliche Stiftung privaten Rechts, die 1867gegründet worden war und mit ca. 14 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Europas größtes diakonisches Unternehmen darstellen.
Im Zuge dieser Neustrukturierung und durch Unterstützung des Berliner Senats wie auch aus Bethel konnten viele Bereiche modernisiert werden. Im KEH arbeiten heute drei renommierte Behandlungszentren: das Gefäßzentrum Berlin unter Leitung von Prof. Dr. Karl-Ludwig Schulte, das Epilepsie Zentrum Berlin Brandenburg unter Leitung von Prof. Dr. Heinz-Joachim Meencke und das Berliner Behandlungszentrum für Menschen mit geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung unter Leitung von Prof. Dr. Albert Diefenbacher MBA. Mit zehn Fachabteilungen, hoch spezialisierten Tageskliniken und fast 600 Betten ist das KEH ein modernes Krankenhaus. Mehr als 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im ärztlichen, pflegerischen, medizinisch-technischen Dienst sowie im Verwaltungsbereich sind für die Patienten da. Die Ev. Krankenpflegeschule am KEH bildet mit 80 Plätzen den pflegerischen Nachwuchs aus. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen somatischen und psychiatrisch-psychotherapeutischen Bereichen entstehen neue Behandlungsoptionen, die dem ganzheitlichen Ansatz in der modernen Medizin immer stärker gerecht werden.

Nachfragen unter: Historisches Archiv des KEH, Ina Herbell, Telefon: 5472 - 2640



Dies ist eine Pressemitteilung des Mitglieds Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge vom 29.11.2010
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URL: http://www.vekp.de/Navigation/Krankenhaeuser/Berlin/Einrichtungen/keh/VEK%20Pressemitteilung_1291043995